Sprache umgibt und beeinflusst uns zu jeder Zeit. Wir sprechen, wir hören, wir lesen, wir schreiben – und sind uns dabei der Macht, die Worte entfalten können, oft gar nicht bewusst.
Wir sprechen anderen Menschen mit guten Ratschlägen Mut zu, wenn sie unsicher sind. Wir hören Nachrichten im Radio, die uns die Welt erklären wollen. Wir lesen fantasievolle Bücher, die eigene Welten erschaffen, – oder großflächige Werbeplakate, die uns mit einem Augenzwinkern zum Autokauf verführen wollen. Wir schreiben: Einkaufszettel, Kurznachrichten, Tagebücher, Vereinsprotokolle, spannende Geschichten für Kinder und informative Berichte für den Arbeitgeber…
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Kurzum: Eine sichere Sprachbeherrschung in Wort und Schrift ist in unserer heutigen Lebenswelt von zentraler Bedeutung. Das Fach Deutsch leistet dazu einen wesentlichen Beitrag, indem es die sprachliche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler erweitert, differenziert und vertieft. Die kritische Auseinandersetzung mit Literatur, Medien und der Sprache selbst ermöglicht den Kindern und Jugendlichen auf lange Sicht Selbstbestimmung, Welterschließung, Toleranz und Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen und politischen Zeitgeschehen.[1] Ein nachhaltiger Wissens- und Kompetenzerwerb ist dabei wichtig. Wie das gelingt und wie vielfältig der Deutschunterricht dabei sein kann, erfahren Sie hier.
Anne Fließer, Silke Horn
[1] https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/gymnasium/deutsch
Bücher sind für alle da: Unter dem Motto NEHMEN. LESEN. TAUSCHEN. bietet das „Fliegende Bücher"-Regal am RSG den interessierten Leser*innen aller Altersstufen einen kostenlosen Zugang zu hochwertiger Literatur: von packenden Krimis und spannenden Abenteuerromanen über hinreißende Liebesgeschichten bis hin zur Weltliteratur findet sich eine breite Auswahl an Büchern.
Im Sinne des Austauschs und der Nachhaltigkeit findet sich mit dem „Fliegende Bücher"-Regal eine Anlaufstelle für Literaturliebhaber, die nach einfachen Grundregeln funktioniert:
- NEHMEN: Das Regal kann zu jeder Zeit genutzt werden: Ein Buch, das man gerne lesen möchte, aussuchen und mitnehmen. Einfach so. Kostenlos.
- LESEN: Sich Zeit lassen und das Buch genießen. Danach kann das Buch zurückgebracht werden, damit auch andere Leser*innen Freude daran haben!
- TAUSCHEN: Man darf das gelesene Buch aber auch einfach behalten. Dann sollte man dafür ein anderes Buch aus dem heimischen Buchbestand eintauschen und ins Regal stellen!
Viel Spaß beim Lesen!
Anne Fließer und Silke Horn
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😊 Wer selbst weitere Bücher ins Regal stellen möchte: Erwünscht sind v.a. Romane, Krimis, Kinder- und Jugendbücher oder auch aktuelle Sachbücher.
☹ Was nicht ins Regal sollte: Werbung, Flyer, Zeitschriften, uralte Bücher, die keiner mehr haben will, Bücher mit sexistischem, gewaltverherrlichendem oder radikal-religiösem Inhalt.
„Lesen ist ein grenzenloses Abenteuer der Kindheit." – Astrid Lindgren
Der Bücherturm lädt ein, in Leseabenteuer einzutauchen, und ist ein wahres Klassenprojekt: Die Schülerinnen und Schüler lesen ein Buch ihrer Wahl zuhause oder in den Lesestunden der eigenen Klasse ganz durch. Sind sie damit fertig, dann holen sie sich einen Buchsteckbrief bzw. Bewertungsbogen, füllen diesen aus und geben ihn bei der Lehrkraft ab. Im Tausch dafür erhalten sie einen bunten Buchrücken, der mit Titel und Autor des gelesenen Buches beschriftet und dann auf das vorbereitete Plakat geklebt wird. Der Bücherturm wächst und wächst und wächst…
Ist das Ziel von 25 gelesenen Büchern erreicht, darf sich die Klasse eine gemeinsame Aktion für eine Unterrichtstunde überlegen: eine Spielstunde, eine Extra-Büchereistunde, einen Film schauen etc.
Wenn alle motiviert mitmachen, gewinnt die ganze Klasse: Leseerfahrung, gute Geschichten und gemeinsame Erlebnisse.
Inspiriert von @heart.thing.s (via Instagram)
Material https://eduki.com/de/material/93905/projekt-der-bucherturm-lesemotivation-leseforderung (via eduki)
Anne Fließer
Neben dem Lesen stellt im Deutschunterricht auch das Schreiben einen wesentlichen Kompetenzbereich dar, der kontinuierlich auf- und ausgebaut wird. Dabei entstehen immer wieder sehr gelungene Schülertexte zu verschiedenen Themen bzw. Aufgabenstellungen.
Ausgestaltung einer Bildergeschichte zu einer Erlebniserzählung (5. Jahrgangsstufe)
Eine gruselige Nacht
Ich, Maxl, Jonas und Otto wollten gestern im Wald zelten gehen. Als Maxl und ich unser Zelt aufbauten, schnappte er sich eine unserer Wasserflaschen und spielte, dass er ein Nachrichtensprecher sei, der über den Zeltaufbau wie über ein Sportereignis berichtete. Mit seinem blonden Haar sah er wirklich aus wie einer. Um 17.00 Uhr waren dann alle zwei Zelte aufgebaut. Meins, das ich mir mit Maxl teilte und das von Jonas, der es sich mit Otto teilte.
Wir spielten noch ein bisschen fangen und verstecken und nach zwei Stunden zündeten wir das Feuer zum Rösten der Marshmallows an. Um halb zehn würde mein Vater nach uns sehen, aber eben war es erst kurz vor acht, weshalb wir uns noch einige Gruselgeschichten erzählen konnten. Als Jonas dran war, erzählte er: „Jedes Jahr am 31. Oktober kommt das Gespenst von Lisa Warington in diesen Wald und sie möchte den Körper eines Kindes, damit sie weiterleben kann." „Und wieso den Körper eines Kindes?", fragte ich etwas kleinlaut. „Als sie gestorben ist, war sie erst zehn Jahre alt," antwortete Jonas mir düster. „Ich glaube, wir sollten schlafen gehen", meinte Otto. Ich sah, dass er Angst hatte, denn er war ganz weiß im Gesicht. Ich wusste auch warum: Es war heute nämlich der 31. Oktober! Wir löschten schnell das Feuer und gingen in die Zelte. Maxl und ich schliefen bald ein.
Plötzlich hörte ich ein Knacken. Ich schaute auf die Uhr. Es war kurz vor halb zehn. Vielleicht war es ja nur Papa – und der steckte jetzt auch wirklich den Kopf ins Zelt, um nach uns zu sehen. Nun knackte es aber wieder. „Wer war das?", flüsterte ich zu Papa. Der zuckte die Schultern, aber er war bleich im Gesicht. Wir weckten Maxl auf und schauten gemeinsam aus dem Zelt. Was wir sahen, verschlug uns den Atem. Etwas Weißes war hinter unser Zelt gesprungen. Maxl und ich waren starr vor Schreck…
Plötzlich fing Papa an zu lachen. Er hatte den Blick auf das Weiße gerichtet. Auch Maxl und ich sahen hinters Zelt. Wir lachten auch los, denn da saß…. ein Hase inmitten eines weißen Lakens – mit einer Unterhose auf dem Kopf und einer Socke auf dem einen Ohr. Vor ihm lagen auch noch andere Kleidungsstücke. „Hallo Lisa Warington", kicherte ich. Langsam ging Papa auf den Hasen zu, nahm ihm sanft das weiße Laken ab, mit dem der Hase uns erschreckt hatte. Papa befreite ihn auch von den Kleidungsstücken und sofort hüpfte der kleine Hase wieder in den Wald. „Jetzt aber flott ins Bett, es ist schon fast Mitternacht", meinte Papa. Wir gingen ins Zelt und schliefen wieder ein. Wer hätte gedacht, dass Hasen so gruselig sein können? Ich nicht!
(Sophia Roth, 5a)
Ausgestaltung eines Erzählkerns zu einer Erlebniserzählung in Form eines persönlichen Briefes (6. Jahrgangsstufe)
Hallo Isabella!
Wie geht es dir? Du wirst nicht glauben, was ich in den letzten Ferien erlebt habe. Aber das erzähle ich dir besser der Reihe nach.
Ich war mit meiner Familie in einer zum Hotel umgebauten Ritterburg. Wir wollten dort Urlaub machen. In der ersten Nacht im Hotel lag ich in meinem Bett und dachte über die Burg nach. Sie war schön. Geheimnisvoll. Bestimmt ließ sich hier das ein oder andere Abenteuer finden.
Als ich so nachdachte, hörte ich ein Geräusch. Es klang merkwürdig. Wie aus einer anderen Zeit. Was konnte das sein? Einbrecher! Mir wurde vor Schreck heiß und kalt. Was tun? Alles war dunkel! Angst packte mich. Vielleicht, weil ich allein in meinem eigenen Hotelzimmer lag? Vorsichtig stand ich auf und tapste zu meinen Eltern ins Zimmer nebenan. Die schliefen allerdings tief und fest. Wie nur? Dieses Geräusch war doch nicht zu überhören! Dieses Pfeifen! Es war schrecklich! Noch dazu die kalten, dunklen Burgmauern. Also rüttelte ich ein bisschen am Gestell des quietschenden Himmelbetts, in dem meine Eltern schliefen. „Mama, Papa!", flüsterte ich und blickte wenig später in zwei verschlafene Augenpaare. „Was… was ist denn los?", fragte meine Mutter gähnend. „Da hinten, da irgendwo sind Einbrecher! Hört ihr das denn nicht?", entgegnete ich aufgeregt. Sofort waren meine Eltern hellwach. „Wo? Wo sind Einbrecher?", rief mein Vater nun doch. Wir beschlossen nachzusehen.
Gemeinsam liefen wir auf den dunklen Flur vor den Zimmern. Meine Mutter hatte mir eine Taschenlampe gegeben, damit wir etwas sehen konnten. Das Pfeifen wurde lauter. Ganz deutlich war es zu hören. Waren die Einbrecher immer noch in der Eingangshalle? Musste wohl so sein, denn dieses Geräusch kam eindeutig von dort. Also schlichen wir uns die Treppen hinunter, die zur Eingangshalle führten. Und, als ob meine Angst nicht schon groß genug gewesen wäre, kreischte auch noch etwas. Mir blieb für einen Moment fast das Herz stehen! Da macht auch noch die Taschenlampe schlapp. Im letzten Moment, in dem ich überhaupt noch etwas sehen kann, sehe ich einen Schatten. Ich taste mich weiter nach unten. Etwas Kleines, Kreischendes saust zwischen meine Beine. Ich falle! „Quiiiieeetsch!", dringt es unter mir hervor. „Jetzt! Jetzt haben mich die Einbrecher!", denke ich noch.
Das Licht ging an. Ich lag mit dem Bauch nach unten auf einem karierten Stück Stoff, aus dem ein paar Röhren herausschauten. Halt! War das ein Dudelsack? Daher kam also das Geräusch! „Was ist los?", fragte ich meine Eltern, die schon ein Grinsen im Gesicht hatten. Der Hotelchef kam gerade lachend die Treppe herunter. In seinen Armen hielt er etwas Graues, Struppiges. Er setzte es auf den Boden. Ich erkannt es! Es war der Schatten von vorhin! Eine Katze! Ich lachte.
Der Hotelchef erklärte, was los war: „Darf ich vorstellen? Das ist unser Kater Kratz. Er ist wohl auf dem Dudelsack eingeschlafen und …" Weiter kam er nicht. Nun lachten nämlich alle und fanden das nächtliche Abenteuer im Nachhinein ziemlich komisch.
Was denkst du, Isabella? Was sagst du zu dem Abenteuer? Ich freue mich auf deine Antwort und darauf, was du von deinen Ferien zu erzählen hast!
Liebe Grüße
Linda
(Linda, 6. Jahrgangsstufe)
Ausgestaltung eines Erzählkerns in Form eines persönlichen Briefes
Lieber Jochen,
danke für deinen Brief. Es tut mir leid, dass ich nicht so schnell zurückschreiben konnte, aber du wirst nicht glauben, was mir passiert ist. Am besten fang ich von vorne an.
„Endlich", sagte ich, als es zur ersten Pause klingelte. Wir hatten wie immer viele Hausaufgaben in Mathe. Ich lief zur Turnhalle, denn wir hatten Sport. „Ich brauche Bewegung. Hoffentlich spielen wir Basketball in Sport", dachte ich. Als ich endlich bei der Turnhalle ankam, war mein Freund Georg schon da. „Wo ist deine Sporttasche?", fragte mich Georg. Oh nein, die hatte ich vergessen. „Warte kurz, ich geh schnell ins Klassenzimmer und hole meine Sporttasche", entgegnete ich.
„Mist", dachte ich, denn ich mochte die Pause und wollte wenig Zeit verschwenden. Während ich zum Klassenzimmer lief, sah ich durch ein Fenster, wie ein kleiner Junge, vermutlich ein Fünftklässler, von den drei Unruhestiftern belästigt worden war. „Ach egal, ist ja nicht mein Problem. Soll halt die Pausenaufsicht das lösen. Ist ja nicht mein Job. Bestimmt ist der Junge ein Geschwisterkind und sie wollen ihm nur einen Streich spielen", dachte ich mir. Nach einer Weile kam ich endlich am Klassenzimmer an. „War das die richtige Entscheidung, dem kleinen Jungen nicht zu helfen? Aber was hätte ich machen sollen? Schließlich waren die drei Neuntklässler und ich war ein Sechstklässler", hinterfragte ich meine Entscheidung. Ich hob meinen Sportbeutel auf und lief wieder zur Turnhalle. Doch da sah ich ihn wieder, den kleinen Jungen, und unsere Blicke trafen sich und in seinem Blick sah ich Angst. In dem Moment wusste ich: „Ich muss ihm helfen!" Ich ging nach draußen, damit ich sehen konnte, was die drei Jungs vom Jüngeren wollten. Ich beobachtete, wie die Jungs auf seinen Geldbeutel zeigten. „Aha, sie wollen bestimmt seinen Geldbeutel", überlegte ich. Ich lief auf sie zu. „War das eine gute Idee? Was ist, wenn sie mich auch bedrohen?", schießt es mir durch den Kopf. Mein Herz fängt an wie ein Pferd zu galoppieren, ich spüre Schweiß auf meiner Stirn. Trotzdem laufe ich weiter. „Haben sie mich schon bemerkt?" Sekunden fühlen sich an wie Minuten. Ich will nicht weiterlaufen, doch meine Beine schon. „Ey, was willst du denn hier?", fragt mich einer der Neuntklässler, „verpiss dich, du Milchbubi." „Genau", sagt ein anderer. „Was willst du Meme gegen uns machen?" „Ja, du kleiner Feigling." „Ich bin nicht die Meme, denn dass seid ihr. Ihr seid zu feige, um Ältere zu bedrohen. Legt euch doch mit jemand gleich starkes an", erwidere ich. Ich bereue die Wörter, bevor sie meinen Mund verlassen. Der Größte von ihnen wird rot, ballt die Faust und holt aus. „Hey, was soll das hier?", schreit mein Mathelehrer. Ich war noch nie so froh, meinen Lehrer zu sehen. „Alle von euch zum Direktor."
Der Direktor fragte uns, was war. Der Neuntklässler antwortete: „Wir wollten uns nur Geld leihen." Doch da sprach der kleine Junge. Er war wohl noch ziemlich schockiert, denn er stotterte sehr: „Sie wollten, dass ich ihnen meinen Geldbeutel gebe. Und wenn ich nein gesagt hätte, dann würden sie mich schlagen." „Oh", antwortete der Direktor, „ihr beiden könnt gehen. Und ihr drei, für euch habe ich einen Schulverweis."
Später sagte mir Georg, dass er mich gesucht hatte, weil ich nicht zurückgekommen war, und als er sah, dass ich zu den Neuntklässler ging, gab er der Pausenaufsicht Bescheid.
Man sollte immer versuchen, das Richtige zu tun, auch wenn die anderen größer und älter sind.
Ich freue mich auf deine Antwort.
Liebe Grüße, Josh (Josh Advani, 6a)
Ausgestaltung eines Erzählkerns in Form eines persönlichen Briefes
Liebe Franzi,
ich möchte dir heute von einem Ereignis erzählen, auf das ich sehr stolz bin.
11: 115 Uhr – zweite Pause. Ich lief ganz entspannt nach unten in den Pausenhof mit dem Wissen, dass ich jetzt nur noch Sport hatte. Ich setzte mich auf die Treppenstufen und aß mein Pausenbrot. „Schöner Tag heute", dachte ich mir, als mir die Sonne ins Gesicht schien. Ich dachte mir nichts, bis meine Freundinnen auf mich zukamen. „Hey, wo sind denn deine Sportsachen?", fragte eine von ihnen. „Oh, die habe ich oben liegen lassen", sagte ich, bevor ich losging, um sie zu holen. Ich beeilte mich, denn in sieben Minuten war die Pause schon vorbei.
Das Schulgebäude war fast ganz leer, natürlich, wer will denn an so einem schönen Tag drinnen sein? So ging ich in den zweiten Stock zu meinem Klassenzimmer. Als ich gerade auf meinem Stockwerk ankam, hörte ich Stimmen. Ich kannte diese Stimmen. Es waren Marcel und Jakob und Martin, die Unruhestifter an unserer Schule. Sie waren alle in der neunten Klasse und hatten schon viel Ärger gemacht. Ich lief weiter und guckte kurz um die Ecke. Da sah ich sie. Einer von ihnen, Jakob, drängte den kleinen Sebastian in eine Ecke und fauchte: „Gib mir dein Geld, Kleiner. Das war keine Bitte!" Der andere, Marcel, grinste mit diesem gemeinen Lächeln und sagte: „Mach meine Hausaufgaben! Und wehe, du petzt es deinem Lehrer. Sonst gibt's eine, klar?" Sebastian war sichtlich nervös und nickte steif. Ich wusste, dass ich ihm helfen musste. Ich überlegte kurz, aber dann lief ich mit selbstbewussten Schritten los. Doch je näher ich ihnen kam, desto schneller pochte mein Herz. „Komm schon! Du schaffst das", sprach ich mir selbst Mut zu. Martin bemerkte mich zuerst. „Na, sieh mal einer an. Wer kommt denn da?", spottete Marcel. „Verzieh dich oder es knallt!", drohte mir Jakob. Meine Knie waren weich und wackelten wie Wackelpudding. „Nein", sagte ich mit zitternder Stimme. Jakob und Marcel lachten nur. „Lasst ihn in Ruhe", forderte ich. Nun schauten sie mich alle an. „Lasst Sebastian in Ruhe. Er hat euch nichts getan", sagte ich. Alle drei lachten nur und drängten mich in die Ecke. „So, jetzt hör mal zu. Du kannst und gar nichts und wir machen, was wir wollen", sagte Jakob mit gefährlich leiser Stimme. Sie kamen immer näher. „Geht weg von mir, ich mein's ernst!", sagte ich. Die drei lachten nur spöttisch. Ich schubste sie weg und stellte mich beschützend vor Sebastian. Jakob, Martin und Marcel liefen langsam an uns heran. „So, jetzt habt ihr verloren", flüsterte er grinsend. „Genau", gab Martin ihm Recht. Ich hoffte auf ein Wunder. Und dann hörte ich die Stimmen. Die Pausenaufsicht Frau Horn kam angerannt: „Was ist denn hier los? Marcel, Jakob was macht ihr da?" „Äh, wir wollten nur …", stotterte Jakob.
Frau Horn ließ sich den Vorfall von mir und Sebastian noch einmal genau erklären. Sie schickte die drei zum Direktor und lobte mich für meinen Mut. Ich habe mitbekommen, dass Jakob, Martin und Marcel die Toiletten als Strafe putzen müssen. In meiner Klasse wurde ich als Held bezeichnet, aber auch Sebastian war beeindruckt von meinem Handeln.
Ich freue mich auf deinen Brief und warte gespannt auf deine Antwort.
Liebe Grüße, Miri (Miriam Knäulein, 6a)
Ausgestaltung eines Erzählkerns in Form eines persönlichen Briefes
Hallo Josh!
Ich hoffe, es geht dir gut. Ich schreibe dir erst jetzt, weil ich noch keine Zeit dazu hatte, denn am vergangenen Wochenende ist mir etwas so unglaublich Spannendes passiert. Aber ich erzähle erst mal von Anfang an.
„Wow! Das ist ja ein prächtiges Hotel", sagte ich, als unser Auto vor einem Ritterburg ähnlichen Hotel hielt. „So tragen wir unsere Koffer erst mal in die Eingangshalle?", fragte mein Vater. „Och nee!", nörgelte meine kleine Schwester und guckte mich genervt an. „Doch und dann können wir endlich Mittagessen", protestierte meine Mutter und lud ihren himmelblauen Koffer aus dem Auto. Wir liefen zur hölzernen Eingangstür und klopften. Die Tür öffnete sich und ein kleiner, glatzköpfiger Mann erschien. Er lächelte uns mit seinen kastanienbraunen Augen an. „Willkommen! Ihr müsst also dann die Familie Müller sein", begrüßte er uns. „Genau, wir haben für eine Nacht gebucht", antwortete unser Vater.
Staunend betraten wir die riesige Eingangshalle. Das Hotel wirkte alt und verlassen, aber sehr modern und edel. „Ihr habt Zimmer 13", sagte Herr Meier, das Stand auf seinem Namensschild. Er überreichte uns einen Schlüssel, der nicht größer als meine Handfläche war. „Zimmer 13", dachte ich, „ob das mal gut gehen wird?" Kurze Zeit später betraten wir unser Zimmer, packten unsere Sachen aus und gingen zum Mittagessen. Wir setzten uns an den einzigen noch freien Platz. Hinter mir hing eine Tafel mit einem Bild von einem Grafen, er sollte angeblich in diesem Hotel spuken und die Gäste erschrecken. „Guckt mal! Hier steht, der Graf Karabas soll in dem Hotel spuken", erzählte ich meiner Familie. „Ich glaube nicht an Geister oder Untote", entgegnete meine Schwester Elin. Wenig später standen wir auf und gingen in unser Zimmer. Ich las in meinem Buch So bekämpft man Geister weiter. Abends gingen wir schon früh schlafen, denn morgen wollten wir eine Wanderung unternehmen. „Zimmer 13, ein untoter Graf und ein Buch zur Geisterbekämpfung, wenn das mal gut geht", dachte ich. Plötzlich mitten in der Nacht wachte ich wegen eines seltsamen Geräuschs auf. „Was war das? Haben meine Eltern das auch gehört?", fragte ich mich. Ich weckte meine Eltern und meine Schwester: „Schnell, aufwachen! Mama, Papa, habt ihr das nicht gehört?" „Was?", fragten sie noch im Halbschlaf. „Schnell!", wiederholte ich aufgeregt. Ich nehme meine Taschenlampe und schleiche gefolgt von Mama, Papa und Elin aus unserem Zimmer. „Da war es erneut. Habt ihr es jetzt auch gehört?", fragte ich meine Familie. „Ja", antworteten sie im Chor. Wir schleichen die Treppe hinunter und sehen uns ängstlich in der Eingangshalle um. Da hinter dem Klavier kam das Geräusch her. Ich leuchte mit meiner Taschenlampe hinter das Klavier und bekomme fast einen Herzinfarkt. Eine Katze springt hinter dem Klavier hervor und landet vor meinen Füßen.
Hinter dem Klavier lag ein Dudelsack, den die Katze als Schlafplatz benutzt hatte. Wir legten die Katze wieder auf den Dudelsack und gingen zurück in unser Zimmer. Die restliche Nacht verlief ruhig und die Wanderung am nächsten Tag auch.
Was hast du am Wochenende Interessantes erlebt? Ich freue mich auf deine Antwort.
Dein N. (Schülerarbeit, 6a)
Ausgestaltung eines Erzählkerns in Form eines persönlichen Briefes
Lieber Günter,
seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben, habe ich einiges erlebt. Aber lass mich von Anfang an erzählen.
Es hatte vorhin zur Pause geläutet, als ich in die Aula lief. Ich wollte gerade eben in die Turnhalle gehen, als ich bemerkte, dass wir gleich Sport hatten und ich meine Sporttasche mal wieder vergessen hatte mitzunehmen. „Ach komm!", schnaubte ich. Wütend auf mich ging ich wieder Richtung Klassenzimmer.
Ich stieg leise die Treppe hinauf, die zu unserem Klassenzimmer führte. Auf der Hälfte der Treppe hörte ich komische Geräusche. Waren das Stimmen? Nein, das konnte nicht sein. Ich stieg immer weiter die Treppen hinauf. Jetzt hörte ich es eindeutig. Es waren Stimmen, aber von wem? Mit einem Kribbeln im Magen stieg ich weiter hinauf, um den Stimmen zu lauschen. Woher kamen sie überhaupt? Aus dem Klo? Ich konnte die Stimmen noch nicht ganz zuordnen. Jetzt fingen schon meine Finger an zu zittern, Schweiß floss mir von der Stirn. Nun stand ich direkt vor der Klotür. „Was soll ich tun? Schauen, wer da drinnen ist, das Gespräch belauschen?", dachte ich mir. Dann drückte ich die Tür einen Spalt auf und sah vier Schüler, einen Fünftklässler und drei Neuntklässler. „Na los, mach schon, gib uns deinen Geldbeutel, sonst gibt es gewaltig Ärger!", forderte einer von ihnen. Mir drehte sich der Magen um, tausende Gedanken schossen mir durch den Kopf. „Mach schon, lass uns nicht länger warten!", motzte noch einer den Kleinen an. Es fühlte sich so an, als ob eine Sekunde eine halbe Ewigkeit wäre. Je länger ich zuschaute, desto brenzlicher wurde die Lage für den Fünftklässler. Und dann schoss mir eine Idee in den Kopf: ich informiere die Pausenaufsicht! Aber dann passierte es. Ich lief langsam rückwärts, als ich über einen Türstopper stolperte und schrie: „Aaaa!" Die drei Schüler hatten mich gehört. Ich stand so schnell wie ich nur konnte auf, als auch schon die Tür aufflog. Eine schnelle Hetzjagd begann. Während ich rannte, suchte ich die Umgebung nach der Pausenaufsicht ab. „Wo ist die Pausenaufsicht?", dachte ich verzweifelt. Endlich entdeckte ich sie. Sie stand in der Aula. So schnell wie mich meine Beine tragen konnten, lief ich zur Pausenaufsicht „Frau Horn, ich habe eine Belästigung dreier Neuntklässler gesehen. Sie sind oben auf der zweiten Etage!", sagte ich so schnell wie ich nur konnte. „Was?", schrie sie empört. Zusammen gingen wir dort hin und tatsächlich, sie waren noch dort. Anscheinend hatten sie die Verfolgung aufgegeben.
Frau Horn sammelte sie ein und ging mit ihnen zum Direktor. Dort musste ich das Geschehen schildern und die drei Schüler bekamen Nachsitzen. Vor dem Büro des Direktors erwartete mich ein fröhlicher Schüler: „Hallo, ich bin Sebastian. Danke, dass du mich gerettet hast." „Ich bin Tim. Habe ich gerne gemacht", antwortete ich sanft. Als es geläutet hatte, ging ich wieder in die nächsten Unterrichtsstunden.
Keiner möchte belästigt werden. Um das zu verhindern, braucht man Mut.
Dein Tim (Tim Nicolai, 6a)
Erzählung mit schildernden Elementen: Umformen einer Ballade (7. Jahrgangsstufe)
Theodor Fontane: „John Maynard" (1886)
Der Unfall auf dem See
Es war die Nacht vom 8. auf den 9. August 1841, in der ich, Elina Winter, mich auf dem Passagierschiff „Schwalbe" von Detroit nach Buffalo befand. Ich fuhr für ein paar Tage zu meinem Liebsten. Unser starker Steuermann namens John Maynard hatte uns bisher sicher über den Eriesee gebracht.
Wegen der Wellen, die mich nachts hin und her schaukelten, als wollten sie mich wecken, hatte ich noch kein Auge zugetan. Stattdessen hatte ich mich zu dem Kapitän und seinen Schiffsleuten gesellt, um die Zeit bis zur Ankunft zu überbrücken. Der Kapitän rief zum Steuermann: „Wie lang noch bis nach Buffalo?" Dieser antwortete: „Etwa eine halbe Stunde." Ich freute mich, dort meinen Geliebten wiederzusehen und ging aus der Kajüte, um auf das Wasser zu blicken.
„Feuer!", schrie eine Stimme hinter mir. Als ich mich umdrehte, kroch mir der Rauch wie Gift in die Nase. John Maynard blickte besorgt. Seine Fäuste ballten sich so fest um das Steuerrad, dass seine Finger ganz weiß wurden. Einer der Schiffsleute riss mich am Arm und führte mich hektisch weg vom Feuer. Die lodernden Flammen verbreiteten sich und schossen aus der Tür der Kajüte. Die Hitze brannte auf meiner Haut. Sämtliche Passagiere stürmten auf das Deck. „Wo sind wir?", riefen ein paar panische Stimmen. „Noch 15 Minuten", ertönte die Stimme John Maynards. Mir zitterten die Knie und Tränen rannen meine Wangen hinunter. Funken landeten auf dem Wasser, verglommen jedoch sofort. Der Lärm betäubte meine Ohren. „Wie lange noch?", schrie ich. „10 Minuten", hörte ich daraufhin John Maynards gequälte Stimme. Das Feuer war nun schon zu ihm vorgedrungen. Die Schiffsleute schubsten mich beiseite, um die Rettungsboote bereitzumachen.
Dort vorne ist schon Buffalo! Wir fahren schnell und die Gischt, die das Schiff vor sich hertreibt, spritzt nach oben. Doch plötzlich geht durch das gesamte Schiff ein Ruck und es bricht in zwei Hälften.
Es war gegen einen Felsen gefahren. Das Feuer erlosch nach und nach. Alle Passagiere sowie auch das Personal hatten es auf die Rettungsboote geschafft. Nur John Maynards Leiche trieb zwischen den Überresten des Schiffes.
Zwei Wochen später war ich auf der Beerdigung von John Maynard. Sein Sarg wurde mit Blumen geschmückt in die Erde gelassen. Er war ein Mann von unglaublicher Treue und mein großes Vorbild. Möge Gott seiner Seele Ruhe geben.
(Emilia Horn, 7b)
Kreatives Schreiben in der Mittelstufe: Hommage an Karl Valentin
Kreatives Schreiben: Hommage an Karl Valentin
„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut." Dieser bekannte Ausspruch Karl Valentins traf sicher nicht auf die Klasse 8b zu, denn sie mochte, durfte und traute sich, das wohl bekannteste Ritterdrama des beliebten Volkskomikers eigenständig und einfallsreich fortzuschreiben. Die im Lehrplan der 8. Klassen geforderten Kenntnisse über das Drama setzten die Schülerinnen und Schüler somit gleich praktisch um. Da die ersten beiden Akte des lustigen Spektakels vom „Ritter Unkenstein" aus dem Lesebuch gut ankamen, der dritte Akt aber nicht im Schulbuch abgedruckt ist, war man sich schnell einig: Wir schreiben uns unseren letzten Aufzug selbst! Rasch wurde ein Schreibplan skizziert, und dann ging es in gemischten Gruppen an die Ausarbeitung der insgesamt sechs Szenen. Zuvor klärte man noch ab, dass folgende Aspekte unbedingt Berücksichtigung finden sollten:
- Eine neue Hauptfigur, der „Rodensteiner", soll auftreten.
- Die handelnden Figuren müssen auch durch ihre Sprache charakterisiert werden. In Anlehnung an das Original verwendet unser Ritter Unkenstein gerne altertümliche Wendungen. Bei emotionaler Erregung kippt seine Ausdrucksweise freilich schnell ins Bodenständige um. Töchterlein Kunigunde hingegen bewahrt zwar in prekären Situationen nicht immer die Nerven, ihr gepflegtes Hochdeutsch ist jedoch durch nichts zu erschüttern. Recke Heinrich, bei Karl Valentin als bajuwarisches Urviech angelegt, spricht weiterhin Dialekt, allerdings ersetzten wir sein ursprüngliches Bayrisch durch breites Fränkisch, wobei sich die jungen Dichterinnen und Dichter davon überzeugen konnten,
- welch wohlige Wärme unsere regionale Mundart auch als Bühnensprache ausstrahlt.
- Die heiteren Anachronismen, die Karl Valentin pointiert ins Mittelalterdrama einbaut („da bleibt´s am Telefondraht hängen"), sollten unbedingt weiterhin Berücksichtigung finden.
- Ohne Musik geht's nicht! Lieder und Gesänge waren für Karl Valentin bekanntlich ein wesentliches dramaturgisches Gestaltungselement.
Um den Leser in das schaurig-schöne Spektakel einzuführen, hier eine kurze Zusammenfassung der ersten beiden Aufzüge.
1. und 2. Akt (Original Karl Valentin): Ritter Unkenstein ist seit vielen Jahrzehnten mit dem Geschlecht der Rodensteiner verfeindet, und seit Rodenstein junior ihm vor Jahren einen Schneeball auf den neuen Harnisch geworfen hat, ist an Versöhnung nicht zu denken. Kunigunde, Unkensteins reizende Tochter, ist in misslicher Lage, hat sie doch heimlich ein Baby zur Welt gebracht, das sie in einem Turm versteckt. Bei einer Belagerung von Unkensteins Burg durch den jungen Rodensteiner beichtet Kunigunde ihrem Vater die Geschichte von dem unehelichen Kind, um einen Kampf zu verhindern, und gibt als Kindsvater den Rodensteiner an. Aufs äußerste erzürnt, dass seine Tochter sich mit dem Erzfeind eingelassen hat, befiehlt Unkenstein Kunigundes Hinrichtung, ein Entschluss, den er unmittelbar nach der Exekution bereut. Doch die Entleibte steht zu seiner Erleichterung putzmunter wieder auf, denn Recke Heinrich, Kunigundes etwas tölpelhafter, jedoch zuverlässiger Vertrauter, hat sie mit einem hochelastischen Gummistrick nur scheinbar vom Leben zum Tode befördert.
An dieser Stelle setzt der 3. Akt der Klasse 8b ein. Wenngleich das Original eine andere Wendung nimmt, so hätte dem großen Volkskomiker diese Variante sicher auch gefallen!
Viel Spaß beim Lesen!
Klasse 8b und Marion Engelmann
RITTER UNKENSTEIN
Ein Ritterspektakel in drei Aufzügen. Dritter Akt von der Klasse 8b nach dem gleichnamigen Drama von Karl Valentin.
DRITTER AKT
Erste Szene
Vor Unkensteins Burg. Der Rodensteiner hat von Kunigundes geplanter Hinrichtung gehört und rüstet sich zum Angriff. Dass Kuni dank der List Heinrichs überlebt hat, weiß er noch nicht.
RODENSTEINER: Ach, wie es jetzt wohl meiner Kunigunde gehen mag? Lasst uns stürmen und die Holde retten aus den Klauen des unmenschlichen Vaters.
RITTER GUNTER: Ja, Rodi, und wie gehen wir vor?
RODENSTEINER: Warte! Ich google gerade „Wie stürme ich eine Burg?"
RITTER GUNTER: Was soll der Unsinn, Vetter?
RODENSTEINER: Dann startet jetzt die Kampfjets!
RITTER GUNTER: Du Dackel, die wurden noch nicht erfunden!
RODENSTEINER: Dir geb´ ich gleich Dackel. Obwohl… Dackel ist nicht schlecht! Lasst die Hunde los! Gebell hinter der Szene
UNKENSTEIN von der Zinne: Who let the dogs out?
ALLE RECKEN (rhythmisch im Zweivierteltakt): Who, who who, who, who, who?
RODENSTEINER zur Zinne hinauf : He, du Saftsack! Lass bloß die Kunigunde in Frieden!
UNKENSTEINER: Halt die Klappe, du langhaariger Bombenleger!
RITTER GUNTER zu sich: Das kommt bestimmt irgendwann mal auf YouTube…
UNKENSTEINER: Komm doch rüber, wennst was willst!
RODENSTEINER zu Ritter Gunter: Wohlan, Gunter, das war ganz klar eine Einladung.
RITTER GUNTER : So sagt´s der Ritter Bembers auch, jedoch im Dialekt.
Nun denn, Vetter, zum Angriff!!! nimmt Anlauf
RODENSTEINER: Achtung, Gunter, da liegt ein Haufen!
RITTER GUNTER: Ja sapperlot! (rutscht aus und verletzt sich an seinem eigenen Schwert)
Oh, tut das weh!
RODENSTEINER: Sei mannhaft!
RITTER GUNTER: So kann ich nicht attackieren. Ich gehe ins Sanitätszelt. Ab
RODENSTEINER und die übrigen Gefolgsleute: Zum AAAAAANGRIFF!
Es kracht und rumpelt, man hört Holz splittern. Das Burgtor gibt nach und die Angreifer erstürmen die Festung. Juhuuu, ihr Memmen! ÜBERRASCHUNG!
Zweite Szene
Im Burghof. Unkenstein ist von der Zinne gestürmt und eilt den Angreifern entgegen. Er stürzt auf den Rodensteiner zu und schäumt vor Wut.
UNKENSTEIN: Du Wichtigtuer! Du aufgeblasener Ochsenfrosch! Du Verführer! Du hast meine Tochter entehrt! Das wirst du mir büßen!
RODENSTEINER: Aber das lässt sich doch in Ehren regeln, Schwiegerpapa.
UNKENSTEINER: Nix Schwiegerpapa. Ehrvergessener, nichtswürdiger Ritter! Meine Tochter hast du mir entfremdet. Schon dein Urgroßvater hat meinem Urgroßonkel das Pferd weggenommen und deine saubere Großmutter hat der Halbschwester meiner Großmama die Holzpuppe zertreten. Ich verachte euere ganze Sippschaft!
RODENSTEINER: So lass uns um Kunigunde kämpfen.
Beide ziehen ihre Schwerter und nehmen Kampfstellung ein. Beider Gefolge hat derweil alle Kampfhandlungen eingestellt und sich einvernehmlich in die Burgkneipe zurückgezogen, man hört Becher klirren und Gemurmel.
UNKENSTEINER holt zum Schlag aus, doch sein Lichtschwert bricht vorne ab. Unkenstein stößt einige nicht zitierfähige Flüche aus und wirft das demolierte Schwert auf den Boden So ein Glump! Ich hab´s gewusst, dass das Zeug von diesen Billigketten nichts taugt. Dann werden wir die Sache eben wie echte Männer im Faustkampf klären.
Beide bereiten sich sehr seriös auf den Faustkampf vor: Ärmel nach hinten krempeln, Harnisch ablegen, gegenseitiges Umkreisen. Während sie sich mit lauernden Blicken immer enger umkreisen, erscheinen die Bergfried Girls auf dem Wehrgang und fangen an zu rappen.
Dritte Szene
BERGFRIED GIRLS: Get out the way, get out the way, get out the way.
Du bist der Rodensteiner, Hosenscheißer
und Blitzableiter – aber kein guter Reiter.
Aber ich, ich bin der Unkensteiner, und mich schlägt keiner!
Refrain: U – N – KE – ST: EINER!
Und jetzt alle!
CHOR aus der Burgschänke: U – N – KE – ST: EINER! U- N – KE – ST: EINER!
BERGFRIED GIRLS: Get out the way, get out the way, get out the way.
Ich werde siegen, euch alle kriegen,
Yeah, yeah, yeah, I don´t care.
Now get out the way, get out NOW! Rhythmisch rappend ab
Vierte Szene
Kleines Zimmer im Bergfried. Kunigunde hat sich mit ihrem Baby und dem Recken Heinrich dorthin geflüchtet, um den Ausgang des Kampfes abzuwarten. Sie wirkt angespannt und ängstlich.
RECKE HEINRICH in breitestem Fränkisch: Siggst, Kuni, etz simmä im sichern Durm, no konnst in allä Ruu mit deim Baby den Kampf abwaddn. Bloß schaua könnä mä na ned.
KUNIGUNDE: Aber gerade deshalb haben wir ja hier den Flachbildschirm installiert, der erst in 500 Jahren erfunden wird, da gibt es in Sport 1 Kampfschau live. Schaltet das Gerät ein und setzt sich mit Heinrich auf das zerschlissene Sofa. Das Baby weint.
RECKE HEINRICH: Naa, ned weina, mei Glaanerla. Des werd dä gfalln. No schau amoll do, auffn Bildschirm, do kämbfn dei Babba und dei Oba, des is schbannendä als Wrestling. Das Baby gluckst und lallt fröhlich.
KUNIGUNDE: Ach, Heinrich, sprich doch nicht so, du weißt doch, wie quälend das alles für mich ist. Zum Baby Hör nicht auf ihn!
RECKE HEINRICH: Hosd des gsehn, Kuni? Etz dreschens mit die Fäust aufeinandä ei. No, do schau noo, der Rodensteiner liecht am Bodn wie a glaans Kind.
KUNIGUNDE: Was sagst du? Wahrhaftig, er ist gestürzt. Mein Geliebter! So steh doch auf, ich kann ohne dich nicht leben! Weint, das Baby weint mit.
RECKE HEINRICH: Ach Kuni, ich glaab, deä Kampf is no ned vorbei, waddamoll, schau nä noo, dei Geliebter schdehd doch scho widdä auf. Obbä naaa! Dei Vaddä haud na scho widdä a Schelln nei, und etzerdla feechds na echt aus die Schlabbn, dein Rodi.
KUNIGUNDE: Schon wieder? Nein, das kann ich nicht mehr mit ansehen. Ich werde vom Turm springen, dann bin ich erlöst. Steht auf, legt das Baby behutsam aufs Sofa. Mein kleiner Sohn, was soll nur aus dir werden? Ich liebe dich so sehr, aber ohne den Geliebten ist mein Dasein sinnlos.
RECKE HEINRICH: zum Bildschirm gewandt sprechend, auf den Rodensteiner bezogen Ja, mach halt! Hobb! Auf geht's.Wos soll des Zögern?
KUNIGUNDE: auf der Fensterbank Nein, ich zögere nicht länger. Lebt wohl auf immerdar! Springt
RECKE HEINRICH: Kuni! Maadla, schau, dei Vaddä daumeld, dei Rodi derrabbld sich, sigst, Kuni, etz gwinnd er doch noch, der Rodi. – Kuni? Kuni? Wo bisdn, Kuni? Eilt zum Fenster.
Naaa, des darf doch ned woä sei. Etzt schbringd die Dolln aussm Fenster. Wenn des ihr Vaddä sicht, machdä mich gladd an Kopf kürzer. – So ein Glück! Ihr Kleid hodd sich in aaner Gledderrosn verfanga. Etzt rutschts langsam noch unten weg und – ja pfui, etzt fliechds in an riesen Haufn von Rossäpfl. Brost Mohlzeit. Da wird's fuchzich Bäder brauchn, bis der Gstank widdä verflogn is!.
Das Baby plärrt wie am Spieß.
RECKE HEINRICH: Etzt hältst amoll dei Göschla, du glaana Blägwaffel! Paxi fixi!
Fünfte Szene
Wieder im Burghof. Der Kampf zwischen den beiden Rittern geht in die entscheidende Phase.
UNKENSTEIN mit geballten Fäusten Lasse dich nicht täuschen von diesem Moment der Schwäche, du wirst mich niemals besiegen, wir bringen´s zu Ende wie wahre Recken, und wenn es bis zum Morgen dauert.
RODENSTEINER sich die Backe haltend, nuschelnd Geht nicht. Hab einen Termin beim Kieferorthopäden um vier Uhr.
UNKENSTEIN: Wisse denn: Du bekommst weder meine Tochter noch das Kind.
RODENSTEINER: Welches Kind?
UNKENSTEIN: Na, das von dir und meiner Kunigunde.
RODENSTEINER: Was? Ich habe ein Kind mit der Kunigunde? Und das willst du mir vorenthalten? Sofort will ich das Kind sehen! Wo ist mein Kind?
UNKENSTEIN: Ja, wo ist es eigentlich? Recke Heinrich! Er bringe das Kind auf den Kampfplatz!
RECKE HEINRICH vom Turmfenster aus Naa, gwies ned. Deä Glaa gricht ja a bosdnadales Drauma von eurä Blägerei. Des Buuberla bleibt schö bei miä in Sicherheid, bis ihr euch einich seid, des is viel zu süß.
RODENSTEINER: O welches Glück, ich habe einen Sohn!
UNKENSTEINER: Heinrich, du wagst es, dich mir zu widersetzen? Du? Mein Knecht? Das büßest du mit deinem Leben!
Unkenstein umklammert sein demoliertes Lichtschwert und will in den Bergfried eilen. In diesem Augenblick sieht man Kunigundes Gestalt beim Sprung aus dem Fenster.
RODENSTEINER und UNKENSTEIN: Kunigunde?! Was macht sie denn? Nein, nicht springen, halt ein, Unglückselige! Wir wollen uns vertragen, Mädchen, mach doch keine Dummheiten!
RODENSTEINER: Gütiger Himmel, sie hat uns nicht gehört und ist gesprungen.
UNKENSTEINER: Meine Tochter!
RODENSTEINER: Meine Liebste!
BEIDE: Grausames Schicksal! Beide stehen einander niedergeschmettert gegenüber, da kommt Kunigunde mit zerrissenem Kleid und auch sonst reichlich ramponiert nach vorne in den Hof getaumelt.
Sechste Szene
UNKENSTEINER: Kunigunde, teure Tochter! Bist du´s oder ist´s dein Geist?
RODENSTEINER: Geliebte! Du lebst, o Freude! Will sie umarmen, prallt aber zurück. Ih, du stinkst ja grauenvoll.
KUNIGUNDE wimmernd Au, au, mein Fuß. Ich glaube, da war eine Stecknadel im Pferdemist.
UNKENSTEIN: Ach, Tochter, ich hatte schon gedacht, du hättest dich zu Tode gestürzt, aber dass du überlebt hat, zeigt uns, dass wir all unseren Groll vergessen sollen. Deshalb werde ich nicht länger hadern und mich mit meinem Erzfeind versöhnen.
RODENSTEINER: Ja, lasst uns Frieden schließen. Forever peace.
RECKE HEINRICH von Turm herabgeeilt, das Baby im Arm Freilich bies. Und do schau amoll, Rodensteiner, wos du für an budsiggn Sohn hossd.
RODENSTEINER entzückt Fürwahr, ein echter Roden-Unkensteiner. Du wirst einmal ein edler, mutiger Ritter, mein liebes Söhnchen. Dafür werde ich sorgen.
UNKENSTEINER: Ich verstehe. Du willst deine Familie mit auf deine Burg nehmen. Wohlan, es sei. Aber zuvor kehrst du mir die Rossäpfel von meinem Burghof.
RODENSTEINER: Das ist unfair!
RECKE HEINRICH: A Ru is etzt ums Haus rum. Die Rossbollern nehmer mä zum Dünga von derä Gledderrosen, die dä Kuni es Lehm gredded hodd, und miä verziehn uns zu die andern in die Wäddschaft.
RODENSTEINER: Ja, lasst uns Versöhnung feiern mit fränkischer Brotzeit.
UNKENSTEINER: Und Kloß mit Soß. Und wir rauchen eine Versöhnungsshisha. Aber vorher muss die holde Maid noch in den Badezuber.
KUNIGUNDE: Ich bin schon unterwegs. Ab
Die drei Recken gehen in die Schänke. Unkenstein und der Rodensteiner wiegen abwechselnd das Baby. Vom Turm her hört man über Lautsprecher Kunigundes Stimme.
KUNIGUNDE: Ich bitte um Aufmerksamkeit für eine Durchsage. Mein Vater und der Rodensteiner haben sich versöhnt. Alle sind zur Feier dieses glücklichen Ausgangs in die Burgschänke geladen.
Essen und Trinken sind frei. Ende der Durchsage.
Aus der Schänke ertönt Gesang.
CHOR in der Burgschänke: Im Burghof ob dem Taubertal
feiern wir wie anno dazumal,
holen unsere Shisha raus,
denn der Rodensteiner kommt ins Haus.
Das Menü ist auch schon da,
Leberkäs mit Schäuferla.
Heute hauen wir uns voll!
Der Sauerbraten, der schmeckt toll!
Ja, so warn´s, ja so warn´s, ja so warn´s die alten Ritterleut, ja so warn´s, die alten Rittersleut!









